Libri contra Libido

02.04.08 von fiona · Kommentar abgeben

Können Bücher Liebeskiller sein? Mit dieser Frage beschäftigt sich die amerikanische Blogosphäre, seitdem ein Artikel in der New York Times das Thema für beziehungsrelevant erklärt hat.

Der Artikel stellt fest, dass für bestimmte Personen (nennen wir sie Snobs) eine frische Beziehung in dem Moment vorbei ist, in dem sie entdecken, dass der Partner einen schlechten Literaturgeschmack hat.

Natürlich ist was dran an der Theorie, dass Geschmack ein guter Indikator von Kompatibilität sein kann (das trifft übrigens nicht nur auf Literatur zu, sondern auch auf Filme, Musik, Kunst…) Ein gemeinsames Lieblingsbuch kann durchaus ein guter Anfang für eine Beziehung sein, und für einen begeisterten Leser ist es meist wichtig, einen Partner zu finden, der auch gern liest.

Aber rechtfertigt das wirklich die Arroganz, mit der hier bestimmte Werke als Beziehungskiller gedeutet werden? In den Kommentaren schildern Leser, unter welchen Unständen sie Beziehungen beendet haben, als sie im Gespräch oder im Bücherregal entdeckt haben, dass der vermeintliche Traumpartner Harry Potter, Stephen King- oder Coelho-Leser ist. Dem folgen Vorschläge, welche Bücher auf die Beziehungskiller-Liste gehören, teils mit vernünftiger Rechfertigung (pseudo-intellektuell, frauenfeindlich, sexbesessen), teils aus purem Snobismus (populistisch, simpel, seicht).

Der Wunsch nach einem Partner, der einen ähnlichen Geschmack hat und der die eigene Passion teilt, ist durchaus nachvollziehbar. Aber eine Beziehung gleich zu beenden, weil er/sie noch nie von Puschkin gehört hat? Diese Literatur-Snobs schränken damit ihre Partnerwahl dermaßen ein, dass sie wohl nie eine glückliche Beziehung finden werden. Dazu gehört nämlich auch die Fähigkeit, zu akzeptieren, dass der Partner nicht mit der eigenen Person identisch ist und dass man den Literaturgeschmack des anderen erweitern und gleichzeitig von ihm lernen kann.

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