Pornodarsteller wollen mit dem Sex-Geschäft in den Mainstream
In den meisten westlichen Ländern ist beim Sex heute fast alles erlaubt, was gefällt. So lange es sich um freiwillige sexuelle Handlungen zwischen mündigen Erwachsenen handelt, sind dem Sex im Privaten kaum noch Schranken gesetzt. Auch das Gespräch über Sexualität ist offener geworden, was man zum Beispiel daran erkennt, dass eine sexuell explizite Serie wie Sex and the City im Abendprogramm lief und der Film dazu im Kino mit der Altersfreigabe 12. Nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass gut 50 Jahre früher der blosse Anblick einer nackten Frau im Film Die Sünderin für einen riesigen Skandal sorgte.
Heute sieht man im deutschen Fernsehen zu jeder Tages- und Nachtzeit nackte Haut und die meisten sexuellen Tabus scheinen gebrochen. Auch der bezahlte Sex und Pornografie sind in vielen Ländern legal. Doch tabuisiert werden sie meist immer noch. Die Arbeit im Sex-Geschäft gilt als schmuddelig und nicht gesellschaftsfähig.
Jetzt versucht allerdings eine neue Generation von Pornodarstellern, das Sex-Geschäft Mainstream-fähig zu machen.
Besonders bekannt ist derzeit das Beispiel Sasha Grey. Sie hat zwar nicht gerade den grössten Sprung gemacht – zwischen Pornofilm und Hollywoodfilm besteht schließlich hauptsächlich ein grosser Altesfreigabeunterschied. Trotzdem wird in renommierten Tageszeitungen und Kulturmagazinen über sie geschrieben und sie war schon in allen grösseren Talkshows zu Gast, seit sie die Hauptrolle im neuen Steven Soderbergh-Film übernommen hat. Der Künstler Zak Smith ist dagegen neben der Karriere als Porno”künstler” auch als bildender Künstler sehr erfolgreich. Seine Bilder hängen in den bekanntesten Galerien und Museen der Welt und verkaufen sich so gut, dass er das Geld, das er mit Auftritten in Pornos verdient, an wohltätige Zwecke spenden kann.
Im Gegensatz zu anderen erfolgreichen Pornostars wie Gina Wild, Traci Lords und Jenna Jameson wollen Zak Smith und Sasha Grey allerdings nicht in Hollywood, in der Musik- oder Kunstszene Fuß fassen, um die Pornokarriere hinter sich zu lassen, sondern verbinden bewusst den gesellschaftlich akzeptierten Erfolg als Schauspieler/Sänger/Künstler mit der verpönten Pornolaufbahn. Beide haben die Absicht, in Zukunft weiterhin in Pornos aufzutreten. Gleichzeitig möchten sie mit ihren Zweitkarrieren in der Mitte der Gesellschaft ankommen und damit ihren “Erstjob” enttabuisieren.
Ob ihnen das gelingt? Wer weiß – im Nachkriegsdeutschland hätte bestimmt auch niemand daran geglaubt, dass ein Film wie Sex and the City als Mainstream gelten könnte.

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